30 Lektionen aus 30 Jahren

Lektionen

Vor zwei Tagen bin ich 30 geworden. Das heißt, meine Zwanziger sind offiziell vorbei.

Ich bin mir nicht sicher, wie ich darüber fühle. Ich bin nicht einer von diesen Menschen, die mit Grauen diesen Geburtstag erwartet haben und dem Gedanken, dass ich ab jetzt „alt“ bin. Ich fühle mich nicht alt. Körperlich und mental bin ich wahrscheinlich in der besten Form meines Lebens.

Außerdem gibt es viele Dinge, für die ich dankbar bin:

Ich habe eine großartige Familie, die immer für mich da war, eine wundervolle, intelligente Freundin, die mich unterstützt und es gibt viele Menschen auf der ganzen Welt, die ich meinen Freunde nennen darf.

Ich lebe im Ausland in einer der interessantesten Städte der Welt und kann regelmäßig andere Länder bereisen.

Ich lebe das Leben eines Webunternehmers, kann meinen eigenen Terminplan gestalten, Projekten nachgehen, die mich interessieren und kreativ arbeiten.

Daneben habe ich Essen auf dem Tisch, Kleidung zum Anziehen, ein Bett zum Schlafen und wache morgens auf ohne um mein Leben oder meine Sicherheit fürchten zu müssen. Das ist mehr als andere Menschen von sich behaupten können.

Besteht mein Leben also nur aus Regenbögen und Einhörnern?

Ich will aber nicht so tun, als hätte dieser Geburtstag überhaupt keine Bedeutung für mich. Während er näherrückte, fand ich mich mehr und mehr dabei zu reflektieren. Darüber wo mich ich im Leben befinde, den Pfad, den ich gewählt habe, und wo es hingeht.

Ich habe einmal gehört, dass der dreißigste Geburtstag ein Punkt ist, an dem Menschen in zwei Gruppen unterteilt werden: Diejenigen, die ihr Leben beisammen haben und diejenigen, bei denen das nicht der Fall ist. Ich weiß nicht, ob das tatsächlich eine Regel ist, aber wenn falle ich wahrscheinlich irgendwo in die Mitte.

Ich habe eine sehr genaue Idee, was ich mit meinem Leben anfangen möchte (was nicht immer der Fall war), auf der anderen Seite hätte ich erwartet eventuell schon ein paar Schritte weiter zu sein.

Das ist nicht unbedingt eine schlechte Sache. Noch ist es eine gute Sache. Ich denke es ist einfach. Es ist der Punkt, an dem ich mich in meinem Leben befinde und ich könnte noch so viel wünschen es wäre anders oder frustriert auf den Boden stampfen, ohne dass es etwas ändern würde. Alles was ich tun kann, ist weiter nach vorne gehen in die Richtung, die ich gewählt habe.

Die Weisheit des Alters

Life lessons

Jedoch ist es gleichermaßen wichtig sich etwas Zeit zu gönnen um zurückzuschauen und das zu reflektieren, was hinter mit liegt. Wer ist schließlich ein besserer Lehrer als die Vergangenheit? Also habe ich mich hingesetzt und über die wichtigsten Lektionen nachgedacht, die ich bisher in meinem Leben gelernt habe. An dieser Stelle möchte ich 30 davon teilen, in keiner besonderen Reihenfolge:

  1. Die einzige Person, die Du ändern kannst, bist Du selbst – Wenn wir etwas in unserem Leben anders machen möchten, neigen die meisten von uns dazu uns auf externe Dinge zu konzentrieren und zu versuchen alles und jeden um uns herum zu ändern anstatt uns selbst. Das ist ein aussichtsloses Unterfangen. Wenn Du versuchst andere in eine Richtung zu drängen, werden sie Widerstand leisten. Das Einzige, worüber Du wirklich Kontrolle hast, sind Deine Gedanken, Dein Verhalten und Deine Handlungen. Setze dort an.
  2. Warte nicht auf die Erlaubnis anderer – Die meisten Menschen fürchten Veränderung. Du kannst deshalb nicht darauf warten, dass andere Dir erlauben etwas in Deinem Leben anders zu machen. Du kannst nur selbst etwas verändern. Die Menschen um Dich herum werden sich mit der Zeit anpassen. Erkläre Deine Beweggründe und bitte um Entschuldigung wenn es nötig ist, aber nicht um Erlaubnis.
  3. Schmerz ist Widerstand – Wir bewerten Dinge oft unter dem Aspekt was sein „sollte“, nicht was ist. Innerer Konflikt und emotionaler Schmerz entsteht durch die Diskrepanz zwischen der Realität und unserem eingebildeten Ideal. Akzeptiere Deine gegenwärtige Situation. Es ist wie es ist. Unternimm Schritte etwas zu ändern, wenn es nicht das ist, was Du willst. Aber Akzeptanz kommt zuerst.
  4. Der einzige Weg, mit Angst umzugehen, ist sie zu konfrontieren – Vor Dingen wegrennen, die Dir Angst bereiten oder unangenehm sind, wird Dein Leben kleiner und kleiner machen. Vermeidung ist keine Lösung. Wenn Du Deiner Furcht direkt entgegentrittst, wird sie vor Deinen Augen in sich zusammenfallen. Auf der anderen Seite von Angst liegt Selbstvertrauen.
  5. Veränderung besteht aus vielen kleinen Schritten und Entscheidungen – Es wird wahrscheinlich nicht der Moment kommen, in dem alle Begleitumstände optimal sind und in dem Du Deinem Leben ohne Anstrengung eine 180-Grad-Wende verpasst. Auf diesen Zeitpunkt zu warten ist nur ein weiterer Weg Dinge aufzuschieben und zu verschleppen. Veränderung ist eine tägliche Praxis. Kleine Entscheidungen häufen sich über die Zeit an, bis sie eine kritische Masse erreichen.
  6. Die Lösung der meisten Gesundheitsprobleme ist Ernährung, Sport und Schlaf – Der Großteil der gesundheitlichen Probleme, denen wir als Menschen weltweit gegenüber stehen, kann durch Veränderungen in den Essensgewohnheiten, mehr Bewegung und ausreichenden Schlaf gelöst werden. Der Körper kann sich am besten selber heilen.
  7. 80 Prozent ist Ernährung – Beim Verfolgen von gesundheitlichen und sportlichen Zielen macht das Training nur 20 Prozent der Gleichung aus. Es ist möglich durch Ernährungsumstellung viele Kilos an Körpergewicht zu verlieren ohne eine Minute Sport zu machen. Auf der anderen Seite kannst Du nicht gegen eine ungesunde Ernährung anlaufen oder Gewichte heben.
  8. Willenskraft ist unzuverlässig – Willenskraft ist eine sehr unbeständige Form von Energie und sehr schnell erschöpft. Um erfolgreich zu sein ist es wichtiger Systeme zu bauen, sein Verhalten zu ändern und eine Umgebung zu schaffen, die Dich in Richtung Deiner Ziele bewegt.
  9. Ohne Deadline wird nichts fertig – Es gibt kein „eines Tages“ oder „wenn ich dafür Zeit finde“. Aufgaben blähen sich an Komplexität in dem Maße auf, wie Zeit für sie zur Verfügung steht. Wenn Du keinen Termin für ihre Erledigung setzt, ist es sehr unwahrscheinlich, dass Du sie fertigstellst.
  10. Es gibt keine „Diät“ – Das ganze Jahr über Mist essen wird nicht durch zwei Wochen Kohlsuppe wieder gut gemacht. Du brauchst keine Diät sondern langfristige, nachhaltige Veränderungen in Deinen täglichen Essgewohnheiten, so dass gesund das neue normal ist und ungesund die Ausnahme. Nicht andersherum.
  11. Fange jetzt an und finde den Rest unterwegs raus – Vorbereitung und Recherche können eine weitere Art und Weise sein, etwas aufzuschieben. Du wirst niemals „alle Informationen“ besitzen. Fange sofort an und nimm Hürden wenn sie auftauchen. Klarheit kommt beim Handeln, nicht vom Nachdenken (Dank hierfür an Marie Forleo und Chris Guillebeau).
  12. Fange klein an – Die meisten Ziele, Vorsätze und Vorhaben scheitern deswegen, weil sie zu ambitioniert sind, zu viel auf einmal wollen und dadurch nicht zu bewältigen scheinen. Klein anfangen, eine Gewohnheit draus werden lassen, dann erweitern.
  13. Perfektionismus ist ein A**** – Perfektionismus ist ein wunder Punkt für mich und eine Falle, in die ich immer wieder laufe. Der Versuch, alles perfekt zu machen, ist ein Rezept für für Frustration und ein Fluch von Kreativarbeitern überall. Das Streben nach Perfektion ist der Feind des Guten und eine perverse Form der Prokrastination.
  14. Lerne mit Unklarheit zu leben – Das Leben ist unordentlich. Es gibt tausende von Dingen, die schief gehen und die wir nicht kontrollieren können. Du kannst entweder versuchen dagegen Widerstand zu leisten oder lernen mit Unvollkommenheit Frieden zu schließen.
  15. Realität ist eine Sache der Perspektive – Es gibt nicht „die Realität“. Jeder von uns filtert was um uns herum passiert durch unser eigenes Wissen und unsere Erfahrung. Das Schöne daran ist, dass Wahrnehmung verändert werden kann.
  16. Erfahrung vor Dingen – Die emotionale Halbwertszeit von materiellen Dingen ist sehr kurz. Das Gefühlshoch nach dem Einkauf ist sehr schnell vorbei. Wissen, Fähigkeiten, Erfahrung und mit anderen Menschen verbrachte Zeit ist sehr viel mehr wert.
  17. Habe wenig aber von hoher Qualität – Investiere bei den Dingen, die Du besitzt, in hohe hohe Qualität um länger etwas davon zu haben.
  18. Das Ziel ist weniger, nicht mehr – Egal ob es um Business, Leben, Arbeit, Kunst oder Fitness geht, strebe immer danach mehr mit weniger zu tun. Einfach ist besser als kompliziert.
  19. Das Leben ist nicht schwarz-weiß – Die meisten Dinge im Leben fallen irgendwo auf eine Grautonskala. Statische Bezeichnungen wie gut/schlecht/richtig/falsch sind unpräzise, vage und ermutigen dazu zu vergleichen, verurteilen und den Blick zu verengen.
  20. Das Internet ist ein unglaublich nützliches Werkzeug und die beste Informationsquelle, die wir besitzen – Das gesamte Wissen der Menschheit. In Deinem Wohnzimmer. Innerhalb von Sekunden!
  21. Das Internet ist beste Mittel zur Ablenkung und Vernichtung mentalen Ressourcen, das wir besitzen – Der gesamte Lärm und Tratsch der Welt. In Deinem Wohnzimmer. Innerhalb von Sekunden!
  22. Wenn Du Dich selbst kennenlernen willst, starte ein Unternehmen oder beginne eine Beziehung – Beides wird Deinen Charakter auf die Probe stellen und alles vergrößern, was Dir normalerweise verborgen bleibt. Deine Ängste, Stärken, Unsicherheiten und Ausflüchte werden alle offensichtlich werden. Das ist eine gute Sache (auch wenn es sich nicht immer danach anfühlt).
  23. Die einzige Person, mit der Du in Konkurrenz stehst, bist Du selbst – Dein Leben immer mit dem anderer zu vergleichen ist ein sicherer Weg zum Unglücklichsein. Du wirst immer jemanden finden, der besser ist als Du. Beginne von dort, wo Du stehst und konkurriere mit Dir selbst. Versuche heute ein bisschen besser zu sein als gestern.
  24. Die lohnenswertesten Dinge sind meist die schwersten – Gewohnheiten ändern, in Form kommen, gesund essen, diszipliniert sein, nach dem streben, an das Du glaubst und was Du willst – all das ist verdammt hart. Wenn es leicht wäre, würde es jeder machen. Das Leben wird sich in den Weg stellen und versuchen Dich abzulenken. Bleib dabei, es wird sich am Ende lohnen.
  25. Übernimm Verantwortung – Die Schuld für das eigene Scheitern auf äußere Umstände zu schieben ist nur eine Art und Weise, uns von der Verantwortung loszusprechen und nichts zu unternehmen. Was auch immer Du tust, was auch immer in Deinem Leben passiert, übernimm Verantwortung dafür.
  26. Deine Grenzen sind das, was Du glaubst – Grenzen sind nur das Ende des Bereichs, in dem Du Dich wohlfühlst. Wenn Du einmal darüber hinausgehst, hören sie auf zu existieren.
  27. Lies – Lesen gibt Dir direkten Zugang zum Gehirn anderer (und schlauerer) Menschen. Es ist eine der besten Arten und Weisen, neue Ideen, Perspektiven und Denkweisen in Dein Leben zu bringen.
  28. Beobachten und verstehen anstatt urteilen – Sich durchgehend Meinungen zu allem und jedem um Dich herum zu bilden, ob es gut, schlecht, richtig oder falsch ist erzeugt eine Menge inneren Konflikt. Ziele darauf zu verstehen, anstatt zu verurteilen.
  29. Alles ist lernbar – Mit der richtigen Methode und dem richtigen Material können die meisten Menschen unglaubliche Dinge lernen und vollbringen. Oft versuchen wir es aber erst gar nicht, weil wir uns einreden, dass wir nicht „gut“ in etwas sind. Denk daran, dass es einmal eine Zeit gab, in der Du nicht sprechen und kein Fahrrad fahren konntest.
  30. Sei dankbar – Die meisten Menschen leben entweder in der Zukunft oder in der Vergangenheit. Dankbarkeit ist einer der besten Wege im Hier und Jetzt zu bleiben. Sei dankbar für das, was Du bereits hast, schätze die Menschen um Dich herum und wo Du im Leben stehst.

Wenn Du das hier liest, möchte ich aufrichtig Danke sagen. Es bedeutet mir sehr viel, dass Du hier bist. Ich hoffe, was Du auf diesem Blog findest, hilft Dir in irgendeiner Weise Dein Leben etwas besser zu machen. Ich würde gerne von Dir hören, also schreib mir ein paar Zeilen wenn Du Fragen hast oder einfach nur Hallo sagen willst. Auf die nächsten 30 Jahre.

Was sind einige der wichtigsten Lektionen, die Du in Deinem Leben gelernt hast? Stimmst Du meiner Liste zu? Erzähl mir davon in den Kommentaren.

Bilder: Will Clayton, mario

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6 Kommentare

  1. 01 / Mai / 2014
    Hanna

    Hallo und vielen Dank für deinen inspirierenden Blog. Ich teile deine Ansichten und finde es schön noch einmal bewusst mit ihnen in gedruckter Form konfrontiert zu werden. Ich schätze die Erfahrungen und Erlebnisse anderer Menschen sehr und bin dankbar etwas davon mitnehmen zu können..

    • 02 / Mai / 2014

      Hi Hanna, vielen Dank für Deine Worte. Freut mich zuhören, dass Dir der Blog gefällt. Würde mich freuen, Dich hier öfter zu sehen.

  2. 25 / Feb / 2014
    Natalie Zajac

    Hallo Nick,
    toller Blog.Lese Deine Seite seit geraumer Zeit und muß Dir mal ein Kompliment machen.
    Mach weiter so.Wünsche Dir nachträglich alles Gute zum Geburtstag.
    Liebe Grüße
    Natalie

    • 25 / Feb / 2014

      Hi Natalie, vielen Dank und herzlich Willkommen. Das Kompliment nehme ich gerne an. Freue mich, wenn Du weiterhin öfter vorbeischaust.
      Grüße!
      Nick

  3. 24 / Feb / 2014
    Luna

    Great post, I like it very much.
    So many important details that we keep forgeting or never recognize.
    I have more than 1 favorite among your list, but the best ones I liked are 26th and 30th!
    thanks for this blog post and happy birthday!!

    • 24 / Feb / 2014

      Hi Luna, thanks a lot for your comment and the good wished! I’m glad you like the post. And I totally agree with you on picking 26 and 30. Too often we set limits inside our own heads that have no business being there. Being grateful is also a significant one for me because it doesn’t come natural to me but is something I need to learn and remind myself.

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