Vegane Entrepreneure: avesu, ein veganer Schuhladen in Berlin

avesu team

Letztes Jahr war ein gutes für Liebhaber tierfreier Bekleidung. In Prenzlauer Berg konnte man Zeuge der Eröffnung von avesu werden. Der Laden, dessen Name die Kurzform von „a vegan shoe“ ist, liegt direkt neben dem veganen Supermarkt veganz. Dort bietet avesu angesagte und lederfreie Fußbekleidung von High-Heels bis zum Sneaker. Ich habe mich mit Thomas Reichel (im Bild links), einem der Besitzer, zusammengesetzt um mit ihm über zwei meiner liebsten Themen zu sprechen: Ernährung und Unternehmertum.

Wie lange bist du schon Unternehmer?

Unternehmerisch tätig bin ich seit 1999. Ich habe damals mit einem vegan-vegetarischen Marktgeschäft angefangen, vegan war also immer schon mit dabei. Man muss sich das vorstellen als Kühltresen wo vegane oder vegetarische Hackbällchen, Schnitzel, Aufschnitt gramm- und kiloweise verkauft wurden.

Wolltest du immer schon Unternehmer werden?

Eigentlich bin ich aus der Not heraus Unternehmer geworden, um mir mein Studium finanzieren.

Was für andere Unternehmen hattest du vor avesu?

Einmal dieses Marktgeschäft IVS, was „Internationale Vegetarische Spezialitäten“ hieß. Sehr hoch gegriffen, wie man hört. Danach habe ich mit dem Kompagnon von IVS und einer Veganerin aus der Tierschutzszene Yellow Sunshine gegründet, ein vegan-vegetarisches Bio-FastFood-Restaurant. Danach war ich kurz mal nicht selbstständig, sondern angestellt, unter anderem bei Topas, die auch Wheaty (Eiweißprodukte aus Weizen) herstellen.

Wie ist dann die Idee für avesu entstanden?

Die Idee ist aufgrund einer Recherche entstanden. Wir haben den Markt ein wenig ausgeleuchtet und gemerkt, dass es da eine Marktlücke gibt, da keine Anbieter der umfassend viele, schöne vegane Schuhe anbieten. Das war die Überlegung zu dem Online-Handel, aus dem sich dann die Idee zum Schuhgeschäft gegründet hat.

Was ist für dich der größte Pluspunkt am Unternehmersein?

Die Möglichkeit, die Geschicke selbst in die Hand zu nehmen und zu gestalten. Vor allem, Ideen, die man hat, zeitnah umzusetzen. Man ist an niemanden gebunden, außer an den Geschäftspartner, wenn man einen hat. Die Ideen stehen und fallen mit der eigenen investierten Energie. Das finde ich sehr reizvoll.

Und auf der anderen Seite, was ist der größte Nachteil?

Die größte Schwierigkeit ist es, sich so weit zu etablieren, dass man davon leben kann. Sobald es einen trägt, ab da wird es einfacher. Man muss für sich selbst herausfinden, wie viel Zeit man da hinein investiert. Das ist auch eine der größten Schwierigkeiten. Man läuft schnell Gefahr, nur noch für die Firma zu arbeiten und muss selber ein Zeitlimit für sich finden.

Was würdest du sagen, ist die wichtigste Eigenschaft oder der wichtigste Charakterzug, den ein Unternehmer besitzen sollte?

Das ist so ein Mischung aus Wagemut und Durchhaltevermögen. Wenn man die Dinge nicht angeht, passiert auch nichts. Ich habe oft Zweifel gespiegelt bekommen und mir wurde viel abgeraten. Ich war oft der Erste in meinem Bereich. Wenn man dabeibleibt, funktioniert es. Man kann die meisten Dinge schaffen, wenn man eine Idee hat an die man glaubt. Und da darf man sich nicht von der Meinung Anderer leiten lassen. Da muss man schauen, was kann ich machen, was kann ich leisten und dann muss man das durchziehen bis zum Ende.

Wie lange lebst du schon vegan? Und was war dein Hauptentscheidungsgrund für diese Lebensweise?

Ich lebe seit ungefähr Mitte der 90er vegan. Ich war davor schon ein paar Jahre Vegetarier und habe dann aber gesehen, dass vegetarisch leben nicht konsequent genug ist und mich dann für eine vegane Lebensweise entschieden. Milchprodukte und Eier sind halt auch ein Teil der Maschinerie der Tierausbeutung. Ich habe dann auch einfach gemerkt, dass man vegan leben kann, ohne dass einem was fehlt. Das kann man sich schwer vorstellen, bis man es mal erlebt hat.

Was meinst du verändert sich derzeit im Bereich Menschen und Ernährung?

Ich sehe das hier selber im Laden und beim Nachbarn dass sich da eine Nachfrage entwickelt nach veganen Produkten. Ich selbst hatte in der Anfangszeit große Schwierigkeiten, mich mit Lebensmitteln zu versorgen, weil der Markt darauf nicht vorbereitet war, zumindest nicht in Deutschland. Das hat sich inzwischen sehr geändert, heute bekommt man überall vegane Lebensmittel. Ich war letzte Woche erst bei Aldi Süd und habe da Burger gekauft, die auch total lecker waren. Es wird immer leichter so zu leben. Ich bin da sehr zuversichtlich, dass die Menschen immer bewusster werden und dass andere Werte in den Vordergrund rücken.

Wie siehst du die derzeitige Entwicklung von Veganismus und Vegetarismus?

Die Konsumenten, vor allem jüngere Leute, lassen sich nicht mehr so viel gefallen. Sie informieren sich, setzen sich ein für Dinge, beschäftigen sich mit der Materie und kommen dann eher zu dem Schluss, dass bestimmte Dinge für sie no-go sind. Und das ist eine tolle Sache zu beobachten.

Erzähl mir mehr über avesu.

avesu hat angefangen mit der Idee, schöne vegane Schuhe zu verkaufen und ich hoffe, wir sind der Idee treu geblieben. Wir wollten einfach ein großes Spektrum an Schuhen anbieten. Vegane Schuhe, das war eher so ein Randgebiet des Veganismus und stand eher unter dem Nimbus von „Ökotreter“. Man findet da viel, was klobig und nicht richtig schön ist. Inzwischen haben wir mehr als zwölf Schuhhersteller und können gerade nicht einmal alles anbieten was der Markt hergibt. Gerade die Pioniere haben so viele Modelle, da ist es schwer eine Auswahl zu treffen. Wir dachten ja mal, dass wir den Laden nicht voll bekommen, inzwischen könnte man einen Irrgarten aus Schuhkartons bauen.

Woraus bestehen eure Schuhe?

Das sind sehr verschiedene Materialien: Kunststoffe oder Naturstoffe wie Hanf, Leinen, Kautschuk und Kork. Wir versuchen mit avesu immer verschiedene Kriterien bei der Auswahl zu erfüllen. Natürlich sollen die Schuhe vegan sein. Dann ist uns aber auch genauso wichtig, dass die Herstellung sozial verträglich ist. Es nützt ja nichts, wenn für den Schuh kein Tier sterben musste, er aber dann in Kinderarbeit gefertigt wurde. Ein dritter Aspekt ist, dass die Schuhe im Ökosystem nicht so viel Schaden anrichten. Die meisten unserer Hersteller versuchen ökologische Konzepte zu integrieren, zum Beispiel, indem sie ihre Schuhe aus recycleten Stoffen herstellen. So fertigt ein Firma seine Schuhe aus alten Teppichen und eine andere macht ihr Obermaterial aus Baumrinde.

Was für ein Publikum hat avesu, wer kauft bei euch?

Durchschnittlich mehr junge Leute und davon der Großteil Frauen. Schuhe sind wohl weiter eher ein Frauenthema. Des Weiteren Menschen jedweden Alters, die gemerkt haben, dass sie in ihrem Leben irgendetwas ändern möchten. Das sind auch Menschen im Alter meiner Eltern. Das freut mich sehr und da unterstütze und berate ich gerne. Größtenteils sind es wohl schon Veganer, aber auch viele, die einfach neugierig auf vegane Schuhe sind und sich auch sehr schnell von der Idee überzeugen lassen. Viele sind überrascht über die Werkstoffe und dass die dann doch oft lederähnliche Eigenschaften haben, zum Beispiel atmungsaktiv sind.

Wie sehen die Pläne für die Zukunft aus?

Wir würden avesu gerne als Schuhmarke etablieren und in verschiedenen großen Städten vegane Schuhläden ansiedeln. Das ist meine Vision. In ganz naher Zukunft ziehen wir erstmal um nach nebenan in ein größeres Ladengeschäft. Wir hatten die Zahl der Schuhmodelle unterschätzt und brauchen jetzt etwas mehr Platz. Wir würden aber in naher Zukunft auch gerne andere Großstädte anvisieren, vielleicht ist Frankfurt das nächste Ziel.

Ich danke für das Gespräch.

Ihr findet avesu in Berlin, Prenzlauer Berg auf der Schivelbeiner Straße 35, unter www.vegane-schuhe-berlin.de für das Ladengeschäft und unter www.avesu.de für den Online-Shop.

Dieser Beitrag wurde in Essen / Ernährung veröffentlicht. Ein Lesezeichen auf das Permalink. setzen. Kommentieren oder einen Trackback hinterlassen: Trackback-URL.

Einen Kommentar hinterlassen

Ihre E-Mail wird niemals veröffentlicht oder weitergegeben. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*
*

Sie können diese HTML-Tags und -Attribute verwenden <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>