Über Entscheidungen (II): Warum wir Entscheidungen meiden und was wir dagegen tun können

Avoiding decisions

Im letzten Artikel ging es darum, wie Entscheidungen unser Leben formen und warum das eine gute Sache ist (hauptsächlich aber ging es um den Grund, warum ich jetzt in der Türkei lebe). Trotzdem fürchten sich die meisten Menschen davor, vor einer Wahl zu stehen. Konfrontiert mit verschiedenen Alternativen fühlen sie sich gelähmt und nicht entscheidungsfähig oder schieben ihre Wahl lange vor sich her.

Warum wir Entscheidungen aufschieben

Fast immer wenn wir uns dagegen wehren zu entscheiden verbirgt sich der gleiche Grund dahinter: Angst. Das Gefühl von Angst ist einer der stärksten Motivatoren wenn es um menschliches Verhalten geht (oder in diesem Fall einer der stärksten Demotivatoren). Wenn es ums Entscheiden geht, kommen meist verschiedene Ängste in Spiel:

Angst, eine falsche Entscheidung zu treffen

Im Wort „Entscheidung“ steckt das Wort „scheiden“, welches „schneiden“ oder „trennen“ bedeutet. Eine Entscheidung zu treffen bedeutet, andere Möglichkeit abzutrennen und zu eliminieren. Dies kann ein furchteinflößender Gedanke sein, denn was passiert wenn wir die falsche Entscheidung treffen und uns für immer damit arrangieren müssen? Um das zu vermeiden, wählen wir oft, uns gar nicht zu entscheiden.

Versagensangst

Noch schlimmer, was wenn wir eine Wahl treffen und versagen? Was, wenn wir Zeit und Energie in etwas stecken und es funktioniert nicht? Wir werden öffentlich ausgelacht/verbannt/auf eine Ziege gebunden und durch die Stadt gejagt werden!

Angst vor Unbekanntem

Wichtige Entscheidungen im Leben zwingen uns so gut wie immer, unsere Komfortzone zu verlassen und im Unbekannten zu operieren. Als Spezies allgemein sind wir davon wenig begeistert. Wir mögen Vorhersehbarkeit und wehren uns gegen Veränderung. Wer weiß schon, was außerhalb der Grenzen des uns Bekannten passieren wird? Innerhalb der Komfortzone ist es vielleicht besser.

Angst vor Verbindlichkeit

Was, wenn eine bessere Gelegenheit daherkommt? Zu einer Sache ja zu sage, heißt zu etwas anderem Nein zu sagen. Wir fürchten uns davor, etwas zu verpassen, wenn wir uns dagegen entscheiden. Wir glauben, dass wenn wir eine Tür schließen, sie sich nie wieder öffnen lässt und versuchen das zu vermeiden, indem wir alle Optionen offen lassen.

Warum Unentschiedenheit eine schlechte Sache ist

Unentschiedenheit hält uns in einem Zustand der Passivität. Unentschieden zu sein lähmt, ist ineffektiv und hält uns davon ab zu handeln. Wir sind gefangen in einer Blase, die unsere Energie frisst ohne Resultate zu erzielen. Während innerlich unser Gehirn heiß läuft, passiert in der Außenwelt nichts.

Unentschieden sein zerstört außerdem unseren Fokus und unsere Konzentration. Wenn wir eine Million Dinge tun könnten und wir sie nicht durch Entscheidungen weiter eingrenzen, erreichen wir am Ende nichts. Wenn wir uns entscheiden, tatsächlich und bewusst für etwas entscheiden, können wir unsere Ressourcen auf dieses eine Ziel ausrichten und daran arbeiten, es zu erreichen.

Denn die Welt hört nicht auf sich zu drehen. Wenn wir uns immer versuchen alle Optionen bewahren möchten, nehmen wir keine Gelegenheit richtig wahr. Oft wenn wir versuchen alle Türen offen zu halten, finden wir später heraus, dass sie sich von selbst schließen und unsere Möglichkeiten geringer werden auch wenn wir keine Wahl treffen.

Darüber hinaus ist es so, dass keine Entscheidung auch eine Entscheidung ist. Wenn wir uns nicht dazu entschließen etwas zu ändern, wählen wir, die Dinge so zu lassen wie sie sind. Wir gehen oft irrtümlich davon aus, dass nur weil wir nicht bewusst eine Entscheidung treffen, wir keine Verantwortung für die Folgen übernehmen müssen. In der Realität ist es so, dass wenn wir nicht selbst entscheiden, Entscheidungen für uns getroffen werden.

Wie Du der Unentschiedenheitsfalle entkommst

Ich weiß ja nicht, wie es bei Dir aussieht, aber ich bestimme lieber bewusst über mein Leben, als mich auf Zufälle zu verlassen. Ich bin außerdem stark dagegen, meine Handlungen von Furcht bestimmen zu lassen. Daher ist es hilfreich diese häufig auftretenden Ängste einmal zu dekonstruieren.

Die falsche Wahl

Wenn Dich die Angst vor der falschen Wahl zurückhält, denk zuerst darüber nach, dass die meisten Entscheidungen rückgängig gemacht werden können. Das soll nicht heißen, dass es egal ist was Du wählst, weil Du Dich eh später anders entscheiden kannst. Jedoch ist es in den meisten Fällen so, dass wenn Du Dich auf dem falschen Karriereweg/in der falschen Beziehung/der falschen Lage wiederfindest, Du Schritte unternehmen kannst um die Situation zu ändern.

Außerdem ist es in meisten Fällen es besser, eine falsche Entscheidung zu treffen als gar keine. Wenn Du Dich entscheidest, gibst Du Dir zumindest eine Chance zu sehen ob es das Richtige für Dich ist. An dieser Stelle scheitern viele Menschen. Wenn sich herausstellt, dass es das Falsche war, kannst Du wenigstens diese Tür hinter Dir schließen und aufhören Dir Fragen zu stellen.

Versagen

Wenn Du Angst hast zu versagen, denk über Folgendes nach: Die erfolgreichsten Menschen in der Welt, die Menschen, die Du bewunderst und Deine Idole nennst, haben wahrscheinlich sehr viel öfter versagt als Du und ich. Oder wie Michael Jordan es ausdrückt:

“I’ve missed more than 9000 shots in my career. I’ve lost almost 300 games. 26 times, I’ve been trusted to take the game winning shot and missed. I’ve failed over and over and over again in my life. And that is why I succeed.”

Fehler sind nichts als Feedback. Das Konzept, dass Versagen etwas über uns als Person aussagt, ist erfunden. „Versagen“ ist tatsächlich eine gute Sache. Wenn Du Fehler begehst und auf die Schnauze fällst, bedeutet das, dass Du Dich weiter entwickelst und lernst. Fehler geben uns die Chance, unseren Kurs zu korrigieren und es beim nächsten Mal besser zu machen.

Das Unbekannte

Wie schon erwähnt, mögen wir als Menschen Vorhersehbarkeit. Es scheint tief in unseren Gehirnwindungen verankert zu sein. So lassen wir uns von Worst-Case-Szenarios im Kopf davon abhalten, Neues und Ungewohntes zu probieren. Außerhalb unserer Komfortzone ist jedoch der einzige Ort an dem wir wachsen. Wenn wir immer das Gleiche tun, werden wir immer die gleichen Ergebnisse erzielen.

Ins Unbekannte aufzubrechen erfordert Mut. Das Gute jedoch ist, dass für jede Einheit Mut, die Du in etwas steckst, Du die gleiche Menge an Selbstvertrauen herausbekommst. Daher solltest Du Unbekanntes nicht als Problem verstehen, sondern als Gelegenheit zu wachsen, die Dir neue Alternativen, Möglichkeiten und Ergebnisse bietet. Das Selbstvertrauen, dass Du daraus gewinnst, kommt Dir in allen anderen Bereichen Deines Lebens zugute.

Verbindlichkeit

Das, was an Verbindlichkeit und Bindung oft missverstanden wird, ist, dass es uns einsperrt und in Ketten legt. Es ist jedoch genau andersherum. Uns an etwas zu binden kann sehr befreiend sein, weil wir hierdurch der Grauzone der Unentschiedenheit entkommen und stattdessen gezielt handeln können. Es bedeutet statt halbherzig viele Dinge gleichzeitig zu tun, sich voll und ganz auf eine Sache zu konzentrieren und uns somit die Chance zu geben, messbare Ergebnisse zu erzielen.

Ziemlich lang geworden der Artikel. Noch nicht genug bekommen? Freue Dich auf Teil II, in dem ich Dir ein paar Gedankenmodelle an die Hand gebe, die Dir Entscheidungen erleichtern.

Welche Entscheidung würdest Du gerne treffen? Was hält Dich zurück? Erzähl uns davon in den Kommentaren.

Bildquelle: flickr

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