Über Entscheidungen (III): Entscheidungen treffen wie ein Profi

World-class decision maker

Part III der Serie über Entscheidungen. In den ersten beiden Teilen ging es darum, wie unsere Entscheidungen unser Leben bestimmen, warum wir sie aufschieben und was dagegen zu tun ist.

Auch wenn wir die gängigsten mentalen Barrieren dekonstruiert haben, kann es weiterhin schwer fallen, eine Wahl zu treffen. Es ist daher ist es eine gute Idee, vorgefertigte Entscheidungsmodelle zu besitzen, die wir auf eine ganze Reihe von Situationen anwenden können.

Unten beschreibe ich ein paar Entscheidungshilfen, die ich nutze, um durch mein Leben zu navigieren.

Visualisierung der kurz-, mittel- und langfristigen Folgen

Wie wir eine Entscheidung bewerten, hängt oft von unserer Perspektive auf das Resultat ab. Was im Moment des Geschehens als eine gute Idee erscheint, kann sich später als nicht besonders klug herausstellen. Bevor Du also eine Wahl triffst, nimm Dir einen Moment Zeit, um Dir über die kurz-, mittel- und langfristigen Folgen klar zu werden.

Ein gutes Anwendungsgebiet für dieses Modell ist das der Ernährung. Es ist ein Gebiet, in dem wir besonders oft dazu neigen kurzsichtige Entscheidungen zu treffen. Instant gratification ist das Stichwort. Was jedoch im Hier und Jetzt den Gaumen schmeichelt, führt mittelfristig eventuell zu einem Zuckercrash und langfristig zu Übergewicht und Gesundheitsproblemen.

Auf der anderen Seite braucht alles was gut für uns ist meist eine Weile um seine Vorteile zu entfalten. Training und Ernährungsumstellung sind gute Beispiele dafür. Um bessere Entscheidungen zu treffen, hilft es daher sehr, die mittel- und langfristigen Folgen und Ergebnisse zu visualisieren.

Vorverpflichtungen eingehen – Den Hut über den Zaun werfen

Eine andere Art und Weise, um Unentschiedenheit zu überwinden ist, sich selbst keine andere Möglichkeit zu lassen. Dies können wir dadurch erreichen, dass wir eine Verpflichtung eingehen, die sich sehr schwer oder gar nicht rückgängig machen lässt. Wer seinen Hut über den Zaun wirft, hat keine andere Möglichkeit als hinterher zu klettern um ihn zurückzubekommen.

Wenn Du also zum Beispiel im Ausland leben möchtest, buche einen Flug in der nahen Zukunft ohne die Möglichkeit der Rückerstattung (kann ich nur empfehlen). Wenn Du ein Produkt auf den Markt bringen willst, lade alle Deine Freunde zur Launchparty ein. Da die Entscheidung bereits gefallen ist, müssen alle nachfolgenden Schritte mit ihr kongruent sein.

Diese Art von Vorverpflichtung zwingt uns dazu, unsere Energie und Handlungen auf das nun gesetzte Ziel zu fokussieren. Die drei Wochen vor meinem Umzug ins Ausland gehören zu den produktivsten dieses Jahres. Durch den begrenzten Zeitraum musste ich alles Inessentielle außen vor lassen und konnte nichts auf einen späteren Zeitpunkt verschieben.

Aufs Bauchgefühl und die Intuition hören

Ich tendiere dazu, alles in meinem Kopf lösen zu wollen. Diese Angewohnheit hat zu einer Menge Frustration geführt, da ich immer und immer wieder feststellen musste, dass die Dinge die (rational gesehen) funktionieren „sollten“ dies in der Realität oft nicht tun:

Sich allein durch Willenskraft an eine Diät zu halten endet fast immer mit Aufgeben. Härter und länger arbeiten führt nicht zu größeren und besseren Ergebnissen. Sich auf dem Date über die Frau lustig zu machen ist meist erfolgreicher als nett und zuvorkommend zu sein.

Menschen benehmen sich nicht rational und nicht alles kann mit Nachdenken und Logik gelöst werden. Bei schweren Entscheidungen wissen wir oft intuitiv, welcher der richtige Weg ist, werden aber von verschiedenen Ängsten zurückgehalten (diese Bastarde). Also erfinden wir in unserem Kopf Ausflüchte und Rechtfertigungen und bringen uns selbst von unserem Vorhaben ab. In diesen Momenten ist es wichtig, sich auf den eigenen Bauch und die Intuition zu verlassen.

Nach meiner Feststellung, dass ich nicht alles rational lösen kann, habe ich Anfang des Jahres entschieden von nun an intuitiver zu handeln. Ich wünschte ich wäre früher zu dieser Entscheidung gekommen. Einige der besten Momente und Entwicklungen der letzten Monate haben sich dadurch ergeben, dass ich meiner Intuition gefolgt bin.

Wenn es also um Entscheidungen geht, einmal den Bauch befragen. Oft wirst Du feststellen, dass er weiß wovon er redet. Dann den Kopf benutzen um einen Plan zu erstellen.

Den schlimmsten Fall provozieren

Wie in den vorherigen Artikeln erwähnt, vermeiden wir Entscheidungen meist aus Angst. Jedoch ist das, wovor wir Angst haben, oft übertrieben und ungerechtfertigt:

„Wenn ich meinen Chef nach einer Gehaltserhöhung frage,wird er mich feuern. Ich werde nie wieder einen Job finden und muss in einem Karton auf der Straße leben.“ – „Wenn ich die Frau anspreche, werde ich anfangen zu weinen und aus den Ohren zu bluten.“ – „Wenn ich beim Verlassen des Raums nicht 24 mal den Lichtschalter betätige wird meine Familie von einem Bären gefressen.“

Rational wissen wir, dass diese Ängste von der Realität weit entfernt sind, lassen uns aber trotzdem von unseren Emotionen leiten und vermeiden die eingebildete Bedrohung. Anstatt vor dem schlimmsten Fall davon zu laufen, ist es eine weit bessere Idee ihn von vornherein einzukalkulieren. So kommen wir der Angst zuvor, bevor sie uns aus der Bahn wirft.

Um dies zu tun, stell Dir folgende Fragen: „Was ist das Schlimmste, das passieren könnte?“, „Was würde ich tun, wenn genau dieser Fall eintritt?“. Wenn wir diese beiden Fragen beantworten, realisieren wir meist zwei Dinge: a) die Angst mit der wir umgehen ist hoffnungslos übertrieben und b) wir besitzen bereits sämtliche Mittel und Wege um mit dem schlimmsten Fall umzugehen.

Da wir, wenn alle Stricke reißen, bereits eine Lösung parat haben, ist das wahrgenommene Risiko weitaus kleiner und erlaubt uns weitere Schritte nach vorn. Auf diese Weise merken wir außerdem, dass unsere größten Ängste beinahe niemals eintreten.

Hausaufgabe

Nach dem Lesen aller drei Artikel über Entscheidungen, ist hier eine kleine Aufgabe für Dich. Erstelle eine Liste all der Dinge, bei denen Du unentschieden bist und die Du immer wieder aufschiebst. Es macht keinen Unterschied, wie klein oder groß sie sind, ob es sich um die Urlaubsplanung oder das Abendessen handelt. Alles, was sich in der Schwebe anfühlt und Klärung erfordert.

Gehe die Liste Punkt für Punkt durch und treffe für jeden eine Entscheidung. Mache einen Termin mit Deinem Chef aus, ruf Dein Reisebüro an, egal was es ist. Was immer Du tun musst, um aus dem Unentschiedenheitsstrudel zu entkommen. Wenn eine Entscheidung hier und jetzt nicht möglich ist, bestimme was noch fehlt, wie der nächste Schritt aussieht und wann Du ihn angehst.

Verpflichte Dich dazu die ganze Liste abzuarbeiten. Ich verspreche Dir, dass Du danach überrascht sein wirst, wie viel mehr mentale Kapazitäten Dir zur Verfügung stehen und wie viel kontrollierter sich Dein Leben anfühlt. Und erzähl mir von Deinen Erfahrungen.

Vor welchen Entscheidungen Du auch immer gerade stehst, erzähl mir davon. Schick mir eine oder schreib einen Kommentar. Ich helfe gerne wenn ich kann.

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