Vegan weltweit – wie man sich auch unterwegs gut ernährt

le Speakeasy

“Zhei ge shi su de ma?”, ich wiederholte die Frage während ich auf ein Gericht auf der Speisekarte zeigte, das, soweit ich es verstand, nur aus Gemüse und Tofu bestand. Der Kellner des kleinen Pekinger Restaurants antwortete bestätigend, das Gericht sei tatsächlich vegetarisch. Es war mein zweiter Tag in der Hauptstadt Chinas und ich freute mich, dass mein Chinesisch zu etwas taugte. Als der einzige Nicht-Omnivor der Gruppe oblag as mir, für pflanzliche Verpflegung zu sorgen. Nachdem wir bestellt hatten, widmeten meine Freunde und ich uns wieder der Planung der nächsten Tage. Das Essen erschien und ich streckte hungrig meine Essstäbchen aus, nur um festzustellen, dass drei der vier “vegetarischen” Gerichte Hackfleisch und Meeresfrüchte enthielten oder anderweitig für Anhänger fleischloser Kost unbrauchbar gemacht worden waren. Auf die Frage nach dem Hackfleisch antwortete der Kellner: “Oh, das ist so klein, das zählt nicht.” Trotzdem wir also 12 Gerichte auf dem Tisch hatten, bestand mein Abendessen aus Erbsenschoten und Reis.

Veganer oder Vegetarier sein kann auf Reisen zu Komplikationen führen. Letzte Woche war ich in Nizza, Frankreich, einem Land, welches nicht eben für seine Freundlichkeit gegenüber Veganern bekannt ist (Willkommen im Land von Käse, Fisch und Gänseleberpastete). Daher nehme ich die Reise als Gelegenheit, darüber zu sprechen, wie man als selbstgewählter Herbivor in einer fremden Umgebung überlebt. Hinweis: Vorbereitung ist alles.

Veganfreundliche Angebote finden

Eines der angenehmsten Dinge die man tun kann, ist die Orte zu finden, an denen Pflanzenfresser mit offenen Armen willkommen geheißen werden. In den meisten Städten wächst die Zahl der Restaurants und Geschäfte, die sich speziell an das vegane und vegetarische Klientel wenden, stetig. Das Schöne daran ist, dass man dort die Bedürfnisse seiner Gäste kennt und man einfach dort hingehen und sich entspannen kann ohne die Karte kritisch auf unwillkommene Zutaten zu überprüfen. Es gibt Seiten, die einem bei der Suche nach solchen Plätzen helfen, am bekanntesten ist dabei Happycow (die Seite hat auch eine iPhone app). Andere sind Vegguide and Veggiesontheroad. Sehr gute Quellen für Deutschland sind der Vegetarierbund Deutschland (mit der Option nach vegan, vegetarisch oder beidem zu suchen), PETA und Deutschlandis(s)tvegan mit ihrer Veggiemap.

Im Falle Nizza habe ich über Happycow ein kleines Lokal namens “le Speakeasy” gefunden. Es wird von einer Auswanderin aus Kalifornien betrieben und serviert unglaublich leckeres Essen, wie man auch auf unterem Bild sehen kann.

Die richtigen Worte finden

Dort, wo man nicht auf veggie-freundliches Essen spezialisiert ist, ist es wichtig, die eigenen Wünsche und Bedürfnissse kommunizieren zu können. Die meisten (guten) Restaurants stellen sich innerhalb bestimmter Rahmen gerne auf ihre Gäste ein. Fleisch in einem Gericht gegen mehr Gemüse auszutauschen ist oftmals kein Problem. Ich habe in meinem Leben auch schon öfter Mahlzeiten zu mir genommen, die aus mehreren Vorspeisen bestanden. Der Prozess kann dadurch erleichtert werden, indem man lernt seine Bedürfnisse hinsichtlich Essens in der Landessprache auszudrücken. Der Internationale Vegetarierbund hat dafür eine schöne Liste nützlicher Sätze in verschiedenen Sprachen zusammengestellt.

Lokale Spezialitäten finden

Ich mag es, andere Kulturen durch Essen kennzulernen, weswegen ich mir immer Mühe gebe, lokale Gerichte zu finden die mit meinen Essgewohnheiten im Einklang sind. In China habe ich die ersten zwei Monate praktisch nur von vegetarischen Teigtaschen gelebt (es war eine magische Zeit). In Nizza gibt es eine Spezialität, die sich Socca nennt und ein gebackener Teigfladen aus Kichererbsenmehl, Wasser, Salz und Olivenöl ist, serviert mit frisch gemahlenem schwarzem Pfeffer. Sehr lecker und vegan (das Rezept gibt es wahrscheinlich bald hier). Siehe untenstehendes Bild.

Übrigens, in Frankreich wird jede Pizza noch von George Clooney handgemacht.

Do-it-yourself

Eine weitere meiner Lieblingsmethoden: Stellt sicher, dass ihr in eurer Unterbringung die Möglichkeit habt, selber Essen zuzubereiten. Sucht nach Märkten, Supermärkten und Reformhäusern im Zielort (genau wie mit den Restaurants lohnt es sich vorher Nachforschungen anzustellen, damit der Übergang sich flüssiger gestaltet). Einmal vor Ort, legt euch einen Vorrat an gesundem Essen und Snacks wie frischem Obst und Gemüse, Nüssen und Samen zu und bereitet euer Essen selbst. Ich kombiniere diese Lösung gerne mit den lokalen Spezialitäten (Socca + selbstgemachter Salad = großartig). Es ist außerdem eine gute Idee, ein paar verschließbare Container einzupacken, um sich Verpflegung für Erkundungstouren mitnehmen zu können.

Der Rat Anderer

Zuletzt gibt es die Möglichkeit, auf Menschen vor Ort zuzugehen, die einen in die richtige Richtung weisen können. Meetup Gruppen sind eine schöne Möglichkeit den Rat von Gleichgesinnten einzuholen. Eine andere Möglichkeit ist es, in veganerfreundlichen Geschäften nach Informationen zu fragen. Zum Beispiel wies die Besitzerin des “le Speakeasy” mich auf ein weiteres veganes Lokal im Nachbarort hin.

Mit ein wenig Vorausplanung bereitet gesunde Ernährung unterwegs keine großen Schwierigkeiten. Essen ist ein großartiges Mittel, mehr über den Reiseort zu erfahren und Menschen vor Ort kennzulernen. Experimentiert ein wenig herum und probiert ein paar neue Dinge aus, es wird die Erfahrung nur bereichern.

Wie stellt ihr sicher, dass ihr unterwegs vernünftig esst? Weitere Tipps oder Ressourcen? Erzählt mir davon in den Kommentaren.

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