Vegane Entrepreneure: veganz – Teil 2

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Es gibt in Deutschland wohl kaum einen anderen Laden, der unter Anhängern fleischloser Ernährung derzeit so viele Wellen schlägt wie veganz. Gerade ein Jahr alt geworden ist er bereits fest etabliert und hat sich längst eine solide Fan- und Kundenbasis geschaffen. Für den zweiten Teil der Serie Vegane Entrepreneure traf ich mich mit Jan Bredack, Unternehmer, fünffacher Vater und Kopf hinter veganz. Das Gespräch war gut und lang, daher kommt das Interview in mehreren Teilen daher. Den ersten Teil findet ihr hier.

Du warst ja früher Triathlet? Kommst du da heute noch zu?

Nein, null. Der Job hier fordert mich 24/7 und das schon seit Monaten. Es ist nicht im Entferntesten daran zu denken, da auch noch Sport einzubauen. Ich weiß, das schiebt man immer so vor, aber ich habe es früher immer gerne gemacht, teilweise auch exzessiv, auch als ich bei Daimler war und viel gearbeitet habe. Aber das waren andere Belastungen. Hier spielen existenzielle Sachen eine Rolle und der Druck von allen Seiten. Mitarbeiter, Lieferanten, Banken, Investoren, Öffentlichkeit, da hat man nicht den Kopf frei. Was ich manchmal noch mache ist, dass ich mich aufs Rad setze und zwei, drei Stunden durch die Gegend fahre. Dann ist aber auch erstmal wieder gut. Zum Laufen komme ich gar nicht mehr.

Wie lange bist du insgesamt schon Unternehmer?

Eigentlich schon immer. Ich würde mich auch in der Zeit bei Daimler als Unternehmer bezeichnen. Zum Einen war ich da in einer Managementfunktion, zum Anderen habe ich schon immer irgendwelche Businesssachen am Laufen gehabt. Auch sehr erfolgreich. So lange ich quasi denken kann war das dabei, das Unternehmerische, Kreative, was auf die Beine stellen.

Showküche im Extraveganz

Showküche im extraveganz, © veganz / decobe

Was sind andere Beispiele für unternehmerische Aktivitäten?  Was reizt dich da besonders dran?

Ich weiß nicht, ich bin so ein Typ, wenn eine gute Idee da ist, dann verwerfe ich die nicht, sondern beiße mich daran fest und zieh das dann auch durch. Das liegt auch in meinem Sternzeichen, Widder, mit dem Kopf durch die Wand auf Teufel komm raus. Mir macht es Spaß Dinge umzusetzen, aus einer Idee am Ende ein fertiges Produkt zu machen. Jetzt muss ich fairerweise sagen, dass die Idee veganz deutlich kleiner war. Das hat sich jetzt erst durch die Resonanz so entwickelt. Da war ziemlich schnell klar, dass wir ein Filialsystem machen müssen. Einfach schon aufgrund der Wirtschaftlichkeitsberechnung. Die Mengen, die Transportkosten, die Kapitalbindung durch das Lager. Das kann man zwar überall optimieren, aber mit nur einem Laden kriegt man das nicht hin. Ich habe damals mit meiner ehemaligen Frau den Online-Ticket-Verkauf von Stella Musical aufgebaut. Die hatten früher nur den Verkauf über Reisebüros und wir haben Ende der 90er begonnen, das übers Internet zu verkaufen und waren da Vorreiter. Mit ganz einfachen Mitteln anfangs, zum Schluss hatten wir mehrere Shops. Da hatten wir auch schon über eine Million Umsatz. Danach hatte ich ein 20-Millionen-Projekt, nicht alleine, aber als Ideengeber, ein Portal für Autoreparaturen. Das war ein sehr ambitioniertes Unternehmen. Dann noch einige kleinere Sachen, aber das waren die größeren.

Was empfindest du als den größten Vorteil am Entrepreneurdasein?

Ich möchte gerne Ideen, die ich habe, umsetzen und lasse mich dabei nicht gerne durch eingesessene Strukturen und Dogmen bremsen und das kann man nur ideal als Unternehmer.

Was würdest du als größten Nachteil benennen?

Dass die Gefahr sehr groß ist, dass man sich selbst als Mensch und seine Bedürfnisse, die man haben sollte für eine gewisse Lebensbalance, aus den Augen verliert und nur noch sich der Firma widmet und so Sklave seiner Selbst wird. Ich kenne auch sehr viele, die das schon lange machen und es gibt einige, die den Sprung dann geschafft haben, aber auch nur weil ihr Unternehmen dann solide erfolgreich geworden ist. Ich kenne aber niemanden, der diese Aufbauphase nicht durchstehen musste. Da kann man auch keinen Zeitraum für ansetzen, bis man dann die Früchte seiner Arbeit ernten kann.

Was würdest du sagen ist die wichtigste Eigenschaft oder Fähigkeit, die ein angehender Unternehmer haben sollte?

Es gibt viele, aber ich glaube, eine Kombination aus Selbstvertrauen und Durchhaltevermögen, eine gewisse Verrücktheit.

Das geht ein wenig in die Richtung, was Thomas (von avesu) gesagt hat, er meinte Wagemut und Durchhaltevermögen.

Ja, ich glaube es gibt nicht viele Leute, die es wagen, so etwas auf sich zu nehmen. Viele Menschen machen sich kein Bild davon, was das alles bedeutet. Das erlebe ich gerade bei jungen Menschen, die sagen, sie wollen selbstständig sein. Da sind schon viele Flausen im Kopf. Es sind nicht viele Menschen bereit, diese Opfer zu bringen und da gehört eine gewisse Verrücktheit dazu, Skrupellosigkeit sich selbst gegenüber und halt Durchhaltevermögen. Man braucht extrem viel Kraft und ich kann auch bei mir gerade gar nicht sagen, was mich da treibt. Ich glaube, da ist auch ein bisschen Wahnsinn im Spiel und eine Vision, die mich umtreibt.

Weiter zu Teil 3 des Interviews.

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