Vegane Entrepreneure: veganz – Teil 1

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Es gibt in Deutschland wohl kaum einen anderen Laden, der unter Anhängern fleischloser Ernährung derzeit so viele Wellen schlägt wie veganz. Gerade ein Jahr alt geworden ist er bereits fest etabliert und hat sich längst eine solide Fan- und Kundenbasis geschaffen. Für den zweiten Teil der Serie Vegane Entrepreneure traf ich mich mit Jan Bredack, Unternehmer, fünffacher Vater und Kopf hinter veganz. Das Gespräch war gut und lang, daher kommt das Interview in mehreren Teilen daher.

Wie lange ernährst du dich schon vegan? Und was war dein Hauptgrund für die Entscheidung?

Das ist jetzt das vierte Jahr. Der Hauptgrund waren eigentlich meine Kinder. Ich bin von Omnivor ziemlich abrupt zu vegetarisch gekommen und meine Kinder aus erster Ehe haben mich dann immer gefragt, warum ich kein Fleisch mehr esse. Daraufhin haben wir gemeinsam viel gelesen, im Internet viele Filme geguckt, was ich vorher nie gemacht hatte. Mein Hauptgrund Vegetarier zu werden waren eigentlich ethische Gründe und über das Informieren bin ich relativ schnell dahinter gekommen das das sehr inkonsequent ist. Gerade mit Milchkonsum habe ich mich sehr beschäftigt und es war dann eine relativ schnelle Sache. Ich glaube der Übergang vom Vegetarier zum Veganer war bei mir nur ein halbes Jahr.

Du bist ja nicht nur Veganer, sondern auch noch Rohköstler. Was steht bei dir typischerweise im Kühlschrank?

Das stimmt nicht mehr ganz. Ich habe mich eine Zeit lang roh ernährt, aber aufgrund der extremen Stressbelastung und der wenigen Zeit, schaffe ich roh so gut wie nicht mehr. Ich arbeite sieben Tage die Woche. Rohkost nimmt sehr viel Zeit in Anspruch, wenn man das richtig macht. Das hat viel mit Zelebrierung von Essen zu tun. Genussvoll und sehr bewusst. Da habe ich keinen Nerv für, ich bin im Moment ein Freund der schnellen Speisen. Im Kühlschrank steht nichts, weil ich fast nie zuhause esse sondern unterwegs. Ich kann die Male, wo ich aus dem Kühlschrank esse, wirklich an einer Hand abzählen.

Was für Entwicklungen siehst du im Bereich Ernährung allgemein oder vielleicht auch im Speziellen im Bereich Veganismus?

Im Veganismus ist für mich die Vision, dass es irgendwann eine ganz „normale“, von allen akzeptierte Ernährungsform ist. Beziehungsweise für mich ist es ja keine Ernährungsform, sondern eine Lebensform. Ich möchte da gar nicht nur über Ernährung reden, für mich gehört da viel mehr dazu. Ich merke schon, dass gerade bei vielen jungen Menschen ein Bewusstsein entsteht, welches ich in dem Alter noch nicht hatte. Für Nachhaltigkeit, für Ernährungs- und Konsumfragen. Da gibt es so viele Fragen von 16-, 17jährigen, teilweise noch Jüngeren. Und das mit einer wirklich sehr hohen Dynamik. Und das zeigt mir, dass die nachwachsende Generation da ein deutlich anderes Bewusstsein mitbringt und ich erlebe ein Umdenken in meiner Generation und auch bei Älteren. Ich erwarte und wir merken es auch im Laden, dass sich solche Konzepte und es ist ja nicht nur vegan, es ist ja auch nachhaltig und ökologisch und fair, dass sich das mehr und mehr in der Gesellschaft etablieren wird. Weg von Discountern und billig, billig, billig. Das ist für breite Teile der Bevölkerung heute zum Teil noch Usus, auch aus Notwendigkeit, aber da passiert ein Umdenken.

Das Umdenken merkt man ja auch am Erfolg von veganz. Ihr habt gerade Einjähriges, habt aber bereits 10 000 Fans auf Facebook.

Ja stimmt, und jeden Tag kommen 100 dazu, es ist unfassbar. Ein weiterer Indikator ist, wie der Laden von Monat zu Monat wächst. Der kommt schon an seine Kapazitätsgrenzen. Für Berlin wird das nicht mehr ausreichen. Deswegen auch der zweite. Jan Bredack, Gründer von veganz Wie geht die Expansion voran? Ganz gut. Es läuft so wie geplant, mit den bekannten Rückschlägen, die es bei solchen Vorhaben immer gibt. Also, mal Verzögerungen mit dem Bauantrag, mal mit dem Untermieter oder dem Vormieter. Derzeit sind die Standorte Berlin II, Leipzig, Frankfurt und Wien in der Mache mit mehr oder weniger unterschiedlichen Abarbeitungsständen. Wir hängen vom Plan her sogar schon ein bißchen hinterher. Stichwort Flughafen (lacht).

Wie sieht der Zeitplan aus? Wann können wir in Berlin mit Laden Nummer Zwei rechnen?

Dieses Jahr im November denke ich. Frankfurt im Dezember, Leipzig entscheidet sich noch, das kann ich noch nicht so genau sagen. Und Wien ist im Moment das schwierigste, weil wir da mit der geeigneten Lokation Probleme haben. Wien ist gerade noch extrem schwierig.

Wieviele Einkäufer habt ihr inzwischen am Tag?

Im Schnitt über 400. Bonkunden, also wirklich mit Einkauf. Wie viele im Schnitt noch da sind (zuckt mit den Schultern). Dann gibt’s die Kochkurse, andere Veranstaltungen, Caterings, wir haben ja ein breites Feld. Also es zieht an allen Enden. Viel Presse gibt es auch. Wir haben jede Woche Anfragen von Fernsehsendern, Radiosendern, Zeitungen, zum Teil immer die gleichen Fragen, aber das zeigt ja auch, dass das Thema reizt.

Als wir uns das erste Mal gesprochen haben, hattest du mir erzählt, dass du den Laden mit 100 Einkäufern profitabel machen kannst. Da sind 400 ja schon eine Potenzierung.

Stimmt. Das heißt aber nicht, dass wir schon wirtschaftlich sind. Das sind wir in der Tat erst mit mehreren Filialen, weil wir extrem viel Aufwand mit der Warenbeschaffung haben. Wir leisten uns zwei Festangestellte, die in aller Welt Produkte suchen und Lieferanten kontakten. Wenn man es mit einem normalen Biomarkt vergleicht ist das absurd. Das würden die nie machen. Die haben auch kein Lager mit mehreren Huntertausend Euro Lagerbestand. Das geht über Großhändler. Solche nutzen wir auch zum Teil, für einige spezifische Sachen, zum größten Teil versuchen wir aber direkt auch kleinere Firmen zu supporten. Neue Sachen entstehen andauernd, es vergeht keine Woche, wo wir nicht ein neues Start-up ins Sortiment nehmen wenn es passt. Da befruchtet man sich gegenseitig. Einerseits erweitert das unser Sortiment, andererseits ist das auch ein guter Start für den Lieferanten. 400 Kunden jeden Tag, Onlineshop noch dazu, das hat schon eine enorme Aufmerksamkeit. Gerade in einer bestimmten Zielgruppe. Es ist ja alles sehr zielgruppenspezifisch.

Auf jeden Fall. Es ist ja auch immer noch ein Nischending, auch wenn die Nische schon sehr groß ist.

Ja, ich vergleiche es ein bisschen mit den Biomärkten von vor 25 Jahren. Als das so los ging. Und wir haben ja auch immer eine Kombi aus Supermarkt und Essen und Erleben. Jeden Sonntag gibt es Brunch hier. Mittlerweile immer 60-80 Besucher. Tendenz steigend, mit Vorreservierung. Es ist gibt auch immer Caterings, kleine und große.

Ja, was hier passiert verdient schon unglaublichen Respekt. Was hier im letzten Jahr an Fans, an treuen Kunden, an Aufmerksamkeit zusammengekommen ist und dann auch noch die Expansion. Das ist schon sehr beeindruckend.

Finde ich auch. Ich bin auch immer noch überrascht und muss auch zwischendurch mal innehalten und staunen. 

Weiter zu Teil 2 des Interviews.

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