Vegane Entrepreneure: veganz – Teil 3

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Es gibt in Deutschland wohl kaum einen anderen Laden, der unter Anhängern fleischloser Ernährung derzeit so viele Wellen schlägt wie veganz. Gerade ein Jahr alt geworden ist er bereits fest etabliert und hat sich längst eine solide Fan- und Kundenbasis geschaffen. Für den zweiten Teil der Serie Vegane Entrepreneure traf ich mich mit Jan Bredack, Unternehmer, fünffacher Vater und Kopf hinter veganz. Das Gespräch war gut und lang, daher kommt das Interview in mehreren Teilen daher. Falls ihr sie verpasst habt, hier sind Teil 1 und Teil 2.

Erzähl doch an dieser Stelle mehr über veganz und worauf du gerade hinarbeitest.

Meine Vision ist gerade, das Konzept in den nächsten fünf Jahren in Europa als Marke zu etablieren. Dabei ist die Hauptarbeit, die ich gerade leiste, eher langweilig. Ich rede viel mit Investoren, bete Businesspläne hoch und runter, erkläre mich, präsentiere. Das kann sehr eintönig sein, auch wenn man viele Leute kennen lernt. Es ist aber für eine solide Finanzierung notwendig. Da fehlen aber noch einige Mittel, damit wir den Fahrplan einhalten können. Ich hatte dabei das Glück, den ersten Schritt selbst finanzieren zu können und kann jetzt auf eine schon funktionierende Idee zeigen.

Was waren bisher die größten Erfolge/schönsten Erlebnisse mit veganz?

Das kann ich gar nicht sagen. Das ist so eine Welle der Euphorie und weniger ein Erlebnis. Es ist die tagtägliche Erkenntnis, dass es funktioniert. Ich frage mich öfter, warum 400 Leute jeden Tag die Entscheidung treffen, hier bei uns einzukaufen. Was zieht die Leute zum Brunch, was macht die so zufrieden? Ich komme auch gerne mit Kunden in Kontakt und ich spüre da immer sehr viel Begeisterung, sehr viel Wohlwollen und viel Anerkennung. Das macht dann sehr zufrieden und glücklich. Außerdem ist es schön, die vielen Mitarbeiter in Brot und Butter halten zu können. Wenn man weiß, dass man Leuten eine gute Existenz bieten. Die kommen gerne zur Arbeit, sie arbeiten in einem Umfeld, dass sie sich immer gewünscht haben, dass es auch so eigentlich nicht gibt. Als Veganer muss man sonst immer irgendwelche Kompromisse eingehen. Und dann verdienen sie auch noch gut Geld. Wir zahlen hier überdurchschnittliche Gehälter und auch das gehört zur Philosophie. Wenn man die Existenz von Menschen vernünftig sichern kann, dann hat das schon einen Wert.

Gab es größere Misserfolge?

Ja, was mich schwer getroffen hat waren zwei Sachen. Erstens, bin ich ein großer Freund des Mitunternehmertums und wollte das jetzt mit veganz endlich mal richtig machen. Damit bin ich fürchterlich auf die Schnauze gefallen. Ich bin vom ersten Tag an angetreten mit wenigen Strukturen und das ist hier voll nach hinten losgegangen. In der Start-up Situation, wo es eh drunter und drüber ging, war das genau der falsche Ansatz. Das hat nicht funktioniert. Da hätte es in der Anfangssituation klare Verhältnisse gebraucht. Da mussten wir relativ schnell nachbessern. Zum Zweiten gab es Hetzkampagnen und Verleumdungen im Netz. Von einigen wenigen wurden Gerüchte in die Welt gesetzt, aus welchen Gründen ist mir nicht ganz klar. Auf jeden Fall sind da einige Monate ganz schlimme Sachen gelaufen. Das hat mich viel Zeit und Kraft gekostet und ich habe es irgendwann aufgegeben und akzeptiert, dass es solche Menschen halt gibt. Damit umzugehen musste ich auch erstmal lernen.

Womit kann man in naher Zukunft rechnen?

Einmal mit neuen Filialen. Mit vielen neuen Produkten immer. Eigene Produktlinien sind geplant. Unser Ziel ist es nicht, die nächsten 20 Jahre aus aller Welt zu importieren. Wir wollen die Industrie vor Ort auch motivieren und darauf hinweisen, dass da etwas passiert. Wir fangen jetzt mit Supplementen wie B12 Präparaten an, die wir unter unserem eigenen Label vertreiben werden. Aber auch Käseersatz und Wurstersatz sind geplant, dass wir die nicht mehr aus den USA importieren müssen.

Und die nächsten 3-5 Jahre?

In fünf Jahren wollen wir in Europa in jeder größeren Metropole vertreten sein. Dann wären wir auch so weit, ein Franchise zu machen und es auch in entlegenere Orte zu bringen. Die Anfragen sind heute schon enorm und kommen aus aller Welt von Asien über Skandinavien bis Brasilien. So weit sind wir aber noch nicht. Da müssen wir erst eine Basis schaffen. Wir versuchen aber nicht nur veganz zu etablieren sondern auch Artverwandtes wie Schuhe und Bekleidung. Avesu nebenan vergrößert sich schon und wir werden hier jetzt noch ein veganes, ökologisches, nachhaltiges Bekleidungsgeschäft bekommen. Wir haben mit der Goodies-Kooperation auch das Thema gesundes Essen stärker etabliert und wollen das in den neuen Standorten auch so halten. Wenn wir also jetzt nach Frankfurt gehen, dann versuchen wir da auch so ein veganes Zentrum zu schaffen. Wir haben hier gemerkt, dass das eine das andere bedingt und man sich gegenseitig hilft. Wenn jemand für neue Schuhe vorbeikommt, kann er hier auch lecker essen, Klamotten kaufen und einkaufen.

Vielen Dank an dieser Stelle nochmal an Jan für das nette Interview. Hat es euch gefallen? Hättet ihr gerne noch mehr zu bestimmten Themen erfahren. Teilt euch mit in den Kommentaren.

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